Kunst und Psychoanalyse

Seminare zur Verbindung von Kunst und Psychoanalyse

„Ein Auge, welches sieht, das andere, welches fühlt: Das Unsichtbare sichtbar machen“
(Paul Klee)

Kunst kann als Ausdruck innerseelischer Prozesse verstanden werden. Die unterschiedlichsten Sichtweisen und Interpretationen zwischen Kunst und Psychoanalyse in den Dialog zu bringen und zu vertiefen, ist ein Anliegen der Arbeitsgruppe für Öffentlichkeitsarbeit der Mitglieder der 3 Vereine des Michael-Balint-Instituts.

In einem einjährigen Rhythmus wechselnd, zeigen bildende Künstler*innen aus Hamburg und Umgebung in den Räumen des MBI ihre Arbeiten. Am Abend der Vernissage findet ein kleiner Vortrag statt, der die ausgestellten Arbeiten auf dem Hintergrund psychoanalytischer Gedanken reflektiert. Im Rahmen des Semesterprogramms finden Sie, geleitet von unserem Mitglied Matthias Oppermann (Psychoanalytiker*innen und Künstler*innen), Seminare zur Verbindung von Kunst und Psychoanalyse anhand einzelner Künstlerinnen und Künstler aus der Kunstgeschichte und allgemeiner Fragestellungen zur Ästhetik statt.

Gabriele Wening: ÜBERGÄNGE

Das Thema “Übergang” ist für mich so interessant, weil es zeigt, wie wir von einem vertrauten in einen neuen, unbekannten Raum streben. Dabei erleben wir den unsicheren Zwischenraum des Übergangs, wo das Altenicht mehr trägt und das Neue noch nicht verfügbar ist.Dies ist der eigentliche Bereich der Kreativität und des Schaffens.

 

Auf meinem beruflichen Weg erlebte ich Übergänge:von der Schule, wo ich Lehrerin war, in die Praxis und Institute, wo ich als Psychotherapeutin arbeitete , in die Ateliers und Akademien, in denen ich malte. Dazwischen waren Zeiten und Räume des Übergangs.

 

Meine Malerei vollzieht sich in vielen Schichten mit Acryl auf Leinwand. Erst im Prozeß des Schauens und Malens, des wieder Hin-Schauens und des Reagierens entsteht das Bild. Dieser Dialog mit der Leinwand - leer oder bemalt - ist für mich das wirkliche Abenteuer. Ich beginne mit einer Idee, male, zerstöre und übermale. So entstehen Räume und die Übergänge zwischen ihnen.

Und irgendwann fühle und sehe ich: angekommen. Fürs Erste.

Für das Thema der Ausstellung und die Auswahl der Bilder entschied ich mich vor dem ersten Lockdown. Die Exponate wählte ich aus meinem Archiv nach der Art und Weise des Übergangs:
Zeit (zB Jahreszeiten), Element (zB Wasser/Land), Geschichten (zB Flucht), Raum (zB Wartezimmer), Position (zB innen/außen)...usw –Die “Erkenntnis” liegt im Auge des Betrachters.

 

„Geht so lange, bis ihr die Einzelheiten unterscheidet,
so lange, bis sich im Wirrwarr die Fluchtlinien zeigen;
so langsam, dass euch wieder die Welt gehört,
so langsam, daß klar wird, wie sie euch nicht gehört.
Gehend versäumt nicht die Schwellen zwischen dem einen Bereich und dem nächsten: erst mit der Erkenntnis der Übergänge erhebt sich der Wind des anderen Raumes.“

 

Zum Thema „Übergänge“ zitiert aus:
Peter Handke „Über die Dörfer“ , dramatisches Gedicht 1981 Suhrkamp

 

Die Ausstellung kann in Absprache mit dem Sekretariat des Michael-Balint-Instituts, Tel. 040/429 242 12, besucht werden.